Geschichte der Feuerwehrmusik in NRW

In NRW ist die Feuerwehr, ebenso wie auch in allen anderen Bundesländern, seit jeher fest mit der Musik verbunden. Die Alarmierung der Einsatzkräfte und weiterhin dann auch die  Anfahrt zur Brandstelle waren seit Bestehen von Feuerwehreinheiten nur über die „Signalmusik“ möglich. Signale wurden mit Signalpfeifen, Feuerwehrrufhörnern, Blechblasinstrumenten oder Trommeln gegeben. Hieraus entwickelten sich später geordnete Musikgruppen der Feuerwehren, wie Musik-, Spielmanns- und Fanfarenzüge. Durch diese Konstellation der zwangsläufigen Zusammenarbeit von Einsatzgruppe und Musiker lässt sich auch die sehr frühe Gründung von vielen Feuerwehrkapellen, Spielmanns- und Fanfarenzügen erklären.

Neben der rein funktionellen Bedeutung der Instrumente für den Brandeinsatz war die Musik in der Feuerwehr immer auch schon ein Teil der Kameradschaftspflege und der Freizeitbeschäftigung der Feuerwehrangehörigen aus dem Bedürfnis heraus, einen geselligen Ausgleich zu schaffen zur ernsten Lösch- und Rettungsarbeit. Deshalb wurden die musizierenden Züge oft zeitgleich mit den jeweiligen Löschzügen und von dessen Mitgliedern gegründet. Urkundlich ist die erste Musikeinheit 1808 in Stetten a. k. M. nachweisbar. Danach setzten vor allem im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, sowie nach dem Ersten Weltkrieg wahre Gründungswellen von Feuerwehrmusikeinheiten ein.

Einschneidende Ereignisse in der Geschichte der Feuerwehrmusik NRW stellten die beiden Weltkriege dar. Während des Ersten Weltkrieges wurden viele Musikgruppen aufgelöst, da die Musiker zum Wehrdienst gerufen wurden. Viele dieser Musiker fielen in den Kriegsjahren, so dass später oft ein kompletter Neuaufbau erfolgen musste. Die gleiche Situation ergab sich, wenn auch noch viel schwieriger, nach dem Zweiten Weltkrieg. In der ersten Phase der Nachkriegszeit galt Blasmusik als „nationalsozialistisch geprägt“ und war deshalb auch von den Besatzungsmächten verboten. Bald jedoch hoben diese ihr Verbot auf und es konnte mit dem Wiederaufbau, wenn zuerst auch noch mit Einschränkungen, von Feuerwehrmusik- und Spielmannszügen begonnen werden.

Im Jahr 1951 bestätigte der damalige Innenminister der „Deutschen Freiwilligen Feuerwehr, Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.“ die Aufstellung von Musikeinheiten, allerdings mit  der Einschränkung, die Einrichtungen von Musikgruppen nicht vorschreiben zu können oder durch besondere Grundsätze und Rechte zu regeln. Die Aufstellung von Musik-, Spielmanns- oder Fanfarenzügen ist ausschließlich Angelegenheit der Gemeinden und Gemeindeverbände. Im August diesen Jahres sind dann in Hohensyburg durch die Verbandsvertreter in Verbindung mit den Vertretern der Unfallversicherungskasse Westfalen-Lippe die ersten  „Richtlinien für die Unterhaltung und Aufstellung von Musikeinheiten bei den Freiwilligen Feuerwehren“ erstellt worden. Wichtig für die damalige Zeit war die Voraussetzung einer Grund- ausbildung in der Feuerwehr und das leistungsmäßige Erreichen eines Dienstgrades „Feuerwehrmann“. Diese Regelung wurde beschlossen, um inhaltlich auch so in dem neuen Feuerschutzgesetz Berücksichtigung zu finden. 

1966 ist erstmals von den fünf Regierungsbezirken in NRW eine Aufstellung der bestehenden Musikgruppen angefertigt worden. Am 15. September 1968 wurde dann in Essen, im Rahmen der Feuerschutzwoche, das erste Treffen der Feuerwehrmusik-Gruppen des Landes Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Mit Platzkonzerten an verschiedenen Stellen der Essener Innen stadt, einem Festmarsch vom städt. Saalbau zur Gruga und einem anschließenden Festkonzert mit gemeinsamem musikalischen Abschluss war dieses sicherlich eine hervorragende und beeindruckende erste Veranstaltung gemeinsamer Feuerwehrmusik in NRW. Immerhin nahmen 33 Musik- und 6 Spielmannszüge an dieser ersten Veranstaltung auf Verbandsebene teil.

Die Abfrage der einzelnen Regierungsbezirke NRW im Jahre 1966 hatte insgesamt folgendes Ergebnis:       

             40 Musikzüge                    40 Spielmannszüge                   2 Fanfarenzüge

Im Zuge der Neugründungswelle dieser Jahre entstanden dann auch in den 60er Jahren erstmals Musik- und Spielmannszüge, in die Frauen und Mädchen aufgenommen werden durften. Diese positive Entwicklung ist aus heutiger Sicht überhaupt nicht mehr wegzudenken. Ebenso wurde das Instrumentarium der einzelnen Gruppen auf einen neuen Stand gebracht. Musikzüge in Harmoniebesetzung lösten die damals nur bekannten „Blaskapellen“ ab. Symphonische Blasorchester wurden gegründet, ebenso Big-Bands, welch ein Wandel. Aber auch die Literatur wurde diesem Umbruch schnellstens angepasst. Die gleiche Entwicklung war natürlich auch bei den Spielmannszügen zu beobachten. Alt- und Tenorflöten, vor allen Dingen auch der Einsatz von Stabspielen wie Xylophon, Marimba- oder Vibraphon, waren nicht mehr aufzuhalten. Kesselpauken gehören heute bei Musik- und Spielmannszügen einfach dazu.

Der große Umbruch in der Feuerwehrmusik NRW kam im Jahr 1978. Unter Leitung des damaligen Landesverbandsvorsitzenden Willi Real wurde ein „Arbeitsausschuss Musik“ eingesetzt.  In seiner Vorstandssitzung, am 18. November 1978 In Ennigerloh, berief der Landesfeuerwehrverband den Leiter des Musikzuges Roxel (Feuerwehr Münster) Dr. Alfred Warthorst zum Vorsitzenden dieses Musikausschusses. Der Vorsitzende wurde am 29. September 1979 zum „Landesstabführer“ ernannt. Diesen Titel führen die jeweils Verantwortlichen der Feuerwehrmusik in den einzelnen Bundesländern. Der Musik-Ausschuss ist besetzt mit dem Landesstabführer als Vorsitzenden, je einem Vertreter der fünf Regierungsbezirke Arnsberg, Detmold, Düssel- dorf, Köln und Münster und einem Jugendvertreter.

In den ersten Sitzungen dieses neuen Ausschusses ging es erst einmal um die allgemeinen Sorgen der Feuerwehrmusiker und –innen. Eine ordentliche Organisation auf Stadt-, Kreis- und Landesebene musste erst einmal erarbeitet werden. Es gab ja eigentlich überhaupt nichts, woran man hätte anknüpfen können. Um eine landesweite Organisation der einzel- nen Musikgruppen zu erreichen, mussten in den einzelnen Kreisen oder kreisfreien Städten zuerst einmal „Kreisstabführer“ ernannt und eingesetzt werden. Dieses fiel natürlich in die Zuständigkeit der Kreisbrandmeister und der Leiter von Berufsfeuerwehren. Es waren auf Anhieb nicht alle sofort bereit, diese zusätzliche Aufgabe anzugehen. Es hat schon eine gewisse Zeit gedauert, aber dann war auch der letzte Kreisbrandmeister vom Vorteil einer solchen Organisation überzeugt. Erst danach stand einer konstruktiven Arbeit für den Musikausschuss nichts mehr im Wege. Zuerst musste natürlich eine Statistik erstellt werden. Hierin wurden erstmals auch Fragen zur Altersstruktur, Instrumentenbesetzung oder Ausbildung der Gruppenleiter gestellt. Diese Angaben waren Grundlage der weiteren Arbeit und wichtig für Informationen an die einzelnen Züge. Immerhin waren dem Verband NRW im März 1980  inzwischen            

92 Musikzüge               82 Spielmannszüge               und 4 Fanfarenzüge       mit insgesamt 6147 Personen gemeldet.

In den nun folgenden landesweiten Sitzungen mit den Kreisstabführern kamen dabei natürlich erst einmal alle Sorgen und Nöte der einzelnen Züge zur Sprache, da sich bis dahin ja niemand darum gekümmert hatte, z. B. Fragen zur Uniformordnung, Tragen von Ärmelabzeichen und der Lyra als Funktionsabzeichen der Musiker. Ein großer Block waren auch die Themen: Gruppenversicherungen, Haftpflichtfragen, Fahrkostenerstattungen, Übungsraum-fragen usw. usw. Dieses alles bedurfte erst einmal wieder einer Klärung durch den Arbeitsausschuss, aber in ganz kleinen Schritten.

Ein ganz wichtiger Schritt wurde erstmals 1980 gewagt. Das Thema „Ausbildung der Angehörigen in Musik- und Spielmannszügen“  war schon immer eines gewesen, aber in diesem Jahr wurde hier Pionierarbeit geleistet. Je ein Grundlehrgang mit Elementarthemen für Musikzüge und Spielmannszüge wurde erstmals in der Feuerwehrschule St. Vit, Kreis Gütersloh, durchgeführt. Als Dozenten konnten Berufsmusiker der Bundeswehr und anderer Musikverbände verpflichtet werden. Der Erfolg war überwältigend und sofort stand fest, das muss im nächsten Jahr wieder angeboten werden und so war es dann auch 1981 und ebenfalls auch im Jahr 1982.

Ein grundsätzlicher Umbruch in der Ausbildung unserer Feuerwehrmusiker /-innen wurde 1983 eingeleitet. In diesem Jahr wurden D-Lehrgänge in eigener Regie angeboten. Diese führten in den ersten Jahren noch die Bezeichnung A-/B- oder C-Lehrgang, wurden aber später wie bundesweit als D1-/D2- und D3-Lehrgang geführt. Das Dozententeam für Blasmu-sik und Schlagzeug konnte weiterhin aus Berufsmusikern  der Bundeswehr und befreundeter Verbände zusammengestellt werden. Es hat sich hervorragend eingespielt und somit absolut bewährt. Das Ausbilderteam für die Spielmannszüge setzt sich inzwischen ausschließlich aus Kameraden der Feuerwehrmusiker in NRW zusammen. Erfreulich ist sicherlich auch die Tatsache, dass vom Landesfeuerwehrverband NRW ein eigenes „Feuerwehr-Musikabzeichen“ in den Farben Bronze/Silber und Gold geschaffen wurde. Nach einem erfolgreichen Abschluss eines D-Lehrganges wird jedem Teilnehmer dieses Abzeichen verliehen und es darf danach an der Uniform getragen werden. Gleiches gilt aber auch für die C1-/C2- und C3-Lehrgänge. Diese werden an der Landesmusikakademie in Heek durchgeführt. Auch hier wird den Teilnehmern der Feuerwehr nach erfolgreichem Abschluss das Feuerwehr-Musikabzeichen in Gold-Blau für den Abschluss „Registerführer/Ausbilder“ oder Gold-Rot    für den erfolgreichen Abschluss als „Dirigent“ an die Uniform geheftet.

In einer Mitgliederversammlung des Landesmusikrates NRW, am 31. August 1996 in Düsseldorf, wurde der Landesfeuerwehrverband NRW mit seiner Musikabteilung einstimmig als Mitglied aufgenommen. Diese Mitgliedschaft brachte für die Ausschuss-Mitglieder der Feuerwehrmusik natürlich noch mal eine zusätzliche Aufgabe, die einiges an Zeitaufwand erforderte, aber es war auch allen bewusst, dass sich dieser Aufwand lohnte. Die jetzt möglich gewordene finanzielle Unterstützung aus dieser Verpflichtung konnte für die Ausbildung unserer Musiker/ -innen eingesetzt werden. Unterstützung für unsere D-Lehrgänge,  für Workshops oder andere Bildungsmaßnahmen sind für die jeweiligen Teilnehmer doch eine enorme finanzielle Hilfe. Diese erfreuliche, neue Situation war für die Ausschuss-Mitglieder natürlich auch ein besonderer Ansporn, jetzt besonders intensiv in dieser Gemeinschaft mitzuarbeiten. Wären der Mitgliederversammlung des Landesmusikrates NRW, am 17. September 2010 in Köln, wurde auch der neue Verband der Feuerwehren in NRW neu in den Landesmusikrat aufgenommen. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zeugte schon die einstimmige Aufnahme in den Landesmusikrat NRW.

Eine große Verpflichtung gleichzeitig aber auch eine enorme Herausforderung für den Fachausschuss-Musik war die Organisation und Durchführung einer Veranstaltung „Landeswertungsspielen“ in NRW. Der Deutsche Feuerwehrverband führt alle fünf Jahre ein „Bundeswertungsspielen“ durch. Für eine Teilnahme an dieser Bundesveranstaltung kann man sich aber nur über ein „Landeswertungsspielen“ im eigenen Bundesland qualifizieren. 

Besonders stolz ist der Landesfeuerwehrverband NRW auf einen besonderen Höhepunkt in der Organisation „Feuerwehrmusik“ . Im Jahr 1994 wurde in Nordrhein-Westfalen das Bundeswertungsspielen, eine Veranstaltung der Feuerwehrmusik der gesamten Bundesrepublik, in der Stadt Rietberg, Kreis Gütersloh, ausgetragen. Eine von der Rietberger Feuerwehr hervorragend organisierte Veranstaltung. Diese Bundesveranstaltung hatte noch einen  ganz besonderen Höhepunkt in der erstmaligen Teilnahme von Feuerwehr-Musikgruppen aus allen Bundesländern, denn der Mauerfall hatte dieses inzwischen möglich gemacht. 45 Musikgruppen marschierten im Festzug zum Abschluss der Veranstaltung durch die festlich geschmückte Stadt Rietberg, ein wahrhaft einmaliges Erlebnis.

Die Arbeit im Fachausschuss-Musik ist nach wie vor immer interessant, da auch immer wieder neue Anforderungen an diesen gestellt werden. Laufbahnverordnungen für Feuerwehren des Landes NRW, Richtlinien für die Feuerwehrmusik, Rahmenordnungen für das Wertungsspielen und viele andere Ordnungen müssen in gewissen Abständen immer wieder überarbeitet und danach veröffentlicht werden. Die Tagungen mit den Kreisstabführern auf Bezirksebene, oder auch die mit den einzelnen Zügen auf Kreisebene, bringen immer wieder neue Aufgaben und hier erwarten alle Beteiligten natürlich befriedigende Lösungen. Ebenso ist eine unserer Hauptaufgaben, die Ausbildung in Lehrgängen oder Workshops zu verbessern. Sie ist nie endgültig zufriedenstellend, man kann immer wieder Verbesserungen anbringen und daran wird immer gearbeitet.

Werner Ketzer

Aktuell existieren in Nordrhein-Westfalen   

186  Musikgruppen


93 Musikzüge      86 Spielmannszüge     1 Fanfarenzug      1 Spielmanns- u. Fanfarenzug  5 Big-Bands
  

 7.100 Musiker / Musikerinnen