Be who you are.

Das Vielfalt-Netzwerk im VdF NRW.

Wir sind bei der Feuerwehr – die einen hauptamtlich, die anderen ehrenamtlich, im Einsatzdienst oder in der Jugendfeuerwehr. In unserer Uniform sehen wir alle gleich aus. Doch es gibt kleine Unterschiede. Damit sind nicht Haupt- oder Ehrenamt gemeint, sondern Gefühle.

Zu diesen Unterschieden – z.B. über Jungs, die Jungs mögen, und über Mädels, die Mädels mögen – hat der VdF NRW ein „Vielfalt-Netzwerk“ von Leuten gegründet, um sich kennen zu lernen und auszutauschen. Denn es gibt viele Gleichgesinnte in der Feuerwehr. Wir sind genau wie Du. Wir sind viele. Lern uns kennen. Lern Dich kennen.

Du bist herzlich ins Netzwerk eingeladen, egal ob man in Deiner Feuerwehr davon weiß oder nicht. Wir treffen uns mindestens einmal im Quartal zum Gedankenaustausch. Dazwischen unternehmen wir auch etwas gemeinsam. Das können ein entspannter Grillabend sein oder eine Runde Bowling oder eine Kneipentour. Wenn Du Lust hast vorbeizuschauen, melde dich bei uns. Die nächsten Termine sind schnell mitgeteilt. Eines ist dabei übrigens garantiert: Wir sind ein vertrauter Kreis, aus dem nichts nach außen dringt, das nicht nach außen dringen soll.

Außerdem können wir mit dem Netzwerk diejenigen begleiten, die sich dabei erst noch auf ihren Weg machen wollen, und andererseits, wo nötig, Unterstützung in der Feuerwehr geben. Das ist auch noch im Jahre 2019 dringend erforderlich, wie uns so manche Geschichte aus dem großen Nordrhein-Westfalen beweist.

Du erreichst uns gemeinsam über vielfalt@vdf-nrw.de oder Max als zuständigen Mitarbeiter in der VdF-Geschäftsstelle auch jederzeit telefonisch (0202 317712-14). Wir können uns auch gerne erst einmal vorab im kleinen Kreis treffen oder telefonieren, wenn Du zweifelst, ob Du in unsere große Runde kommen möchtest oder nicht.


Bruchstücke. Zum Lesen, zum Nachdenken und Diskutieren.

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Ein sonniger Abend im Mai, Eiscafé Firenze in Münster. David und ich sitzen vor unseren Eisbechern, während sich die anderen am IdF vermutlich langsam in der Heldenhalle einfinden. David hat mich am IdF abgeholt, um mit mir den sonnigen Nachmittag und Abend in Münster zu verbringen. Genauer gesagt habe ich mich von ihm ein Stück weit entfernt vom IdF abholen lassen, erst hinter der Kanalbrücke. Ich weiß auch nicht warum, David ist ein ganz normaler Typ, was sollen andere da schon denken? Aber irgendwie war mir das lieber.

David musste für den heutigen Nachmittag und Abend ziemlich weit fahren und ab dem Mittag die Uni ausfallen lassen. Aber er weiß, wie viel mir diese Chance mit dem F-III bedeutet, auch wenn er selbst gar nicht bei der Feuerwehr ist. Also hat er gesagt, er kommt mich in Münster besuchen.

David weiß alles von mir, was außer ihm keiner über mich weiß. Meine Familie nicht, meine Studienkollegen nicht, meine Feuerwehr nicht. Und ich weiß das Gleiche von David, was kein anderer weiß. Auch seine Freundin nicht. So ist das, wenn man im Hörsaal nicht merkt, dass jemand später reinkommt und sich hinter einen in die Reihe setzt. Und dann sieht, auf welchen Seiten man mit dem Smartphone im Internet surft. Diese „Enttarnung“ war erst ein Schock, aber tat uns beiden dann auch irgendwie verdammt gut. Wir sind wie zwei Brüder, wo wir beide eigentlich ja gar keine Brüder haben.
Wir haben am Aasee gesessen, ich habe ihm den Prinzipalmarkt gezeigt, wir haben uns jeder bei H&M zwei neue T-Shirts ausgesucht und viel geredet. Und nun sitzen wir also im Eiscafé.

Ich schaue David an. „Wenn Du jetzt einen Knopf drücken könntest, damit alles sozusagen „normal“ wird, würdest Du das tun?“, frage ich. „Klar“, antwortet David kurz und ohne darüber nachdenken zu müssen, „Du etwa nicht?“ „Nein“, sage ich. Schweigen. Wir sehen uns über unsere Eisbecher hinweg in die Augen, um uns herum nur noch die Geräusche der anderen Gäste. Diese Antworten, diese zwei Sätze stehen plötzlich zwischen uns, zwischen zwei ganz normalen Freunden.

David sieht mich ernst an und zögert. „Meine Freundin hat gestern vor der Mensa mit mir Schluss gemacht. Es war eine ziemlich dämliche Szene vor allen Leuten.“ Dann schaut er verlegen in seinen Eisbecher. Ich muss irgendwie einfach lachen. „Na also!“, sag ich. „Und? Vermisst Du sie?“ David schaut auf und muss grinsen. „Irgendwie überhaupt nicht. Ich fühl mich plötzlich frei. Ich weiß nicht. Vielleicht sollte ich mir das mit dem Knopf ja noch einmal überlegen.“

Ich bin mittlerweile seit 10 Jahren in der Feuerwehr und habe als kleiner Knirps in der Jugendfeuerwehr angefangen. Nach 6 Jahren Jugendfeuerwehrdienst wurde ich in die Aktivwehr aufgenommen und habe auch schon ein paar Einsätze hinter mir. Weiterhin betreue ich seit ca. 4 Jahren die Jugendfeuerwehr bei uns im Ort. Was mich wundert, ist, dass das Thema Coming Out noch gar nicht angesprochen wurde. Ich persönlich finde, dass die Feuerwehr ein sehr homophober "Verein" ist, und mit dem Thema Homosexualität echt Probleme hat. So habe ich mich bis jetzt auch noch nicht geoutet.

„Viele fragen mich, wann ich das erste Mal gemerkt hab, dass ich schwul bin. Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht mehr. Aber an eins erinnere ich mich noch genau: An den Moment, als mir klar wurde, dass es ok ist. Nämlich als ich diese Typen hier kennen gelernt habe. Meine Freunde.“

zitiert nach: „The Broken Hearts Club/Der Club der gebrochenen Herzen“


Termine

Das nächste offene Netzwerk-Treffen findet am 15. Februar 2020 statt.

Weitere Informationen und Anmeldung über vielfalt(at)vdf.nrw


Dein Weg zu uns

Adresse

Verband der Feuerwehren in NRW e. V.

Windhukstraße 80

42277 Wuppertal

Tel.: 0202 317712-0